HINTER DER KUNST

Wo Natur und Glas zu einer Einheit werden

Die Natur ist mehr als eine Inspirationsquelle – sie ist eine der prägenden Kräfte des kreativen Prozesses. In den Holz-Glas-Kompositionen von Anita Darabos verbinden sich organische und geometrische Formen sowie natürliche und vom Menschen gestaltete Materialien zu einer außergewöhnlichen Einheit. So entsteht eine künstlerische Welt, in der von der Natur hinterlassene Formen zu neuem Leben erwachen.

Wo Natur und Glas zu einer Einheit werden

Von der Logik der Natur zum eigenständigen Kunstwerk

Die theoretischen Grundlagen des Holz-Glas-Kompositansatzes von Anita Darabos liegen in der Erforschung natürlicher Strukturen und Bauweisen. Eine besonders bemerkenswerte Inspirationsquelle ist die Larve der Köcherfliege, die aus kleinen organischen und anorganischen Materialien ihrer Umgebung eine schützende Hülle baut. Diese natürliche Art der Materialverbindung eröffnete der Künstlerin eine neue gestalterische Perspektive. Im Sinne der Bionik ahmt sie nicht einfach natürliche Formen nach, sondern interpretiert deren konstruktive Prinzipien neu. Die wissenschaftlichen und künstlerischen Grundlagen ihres Schaffens stehen auch im Zusammenhang mit ihrer DLA-Dissertation „Pflanzliche Architektur – Glas in der Architektur, Architekturglas“, die sie an der Breuer-Marcell-Doktorandenschule der Universität Pécs verteidigte.

Auf den ersten Blick scheinen Holz und Glas gegensätzlichen Welten anzugehören. Holz ist warm, faserig und organisch; seine Risse, Maserungen und unregelmäßigen Konturen bewahren die Spuren von Natur und Zeit. Glas hingegen ist hart, lichtdurchlässig und bewusst formbar. Durch Farbe, Transparenz und Oberfläche verleiht es der Komposition eine neue visuelle Dimension. In den Werken von Anita Darabos dient jedoch keines der beiden Materialien lediglich als Ergänzung des anderen. Natürlich geformtes Holz und geometrisch gestaltete Glaselemente werden zu gleichwertigen Bestandteilen einer einheitlichen skulpturalen Struktur. Das Zusammenspiel von Licht, Transparenz, Farbe und natürlicher Textur erzeugt eine besondere Balance zwischen Spannung und Harmonie und macht jedes Werk unwiederholbar.

Für Anita Darabos ist Recycling nicht nur eine umweltbewusste Entscheidung, sondern eine künstlerische Philosophie. In einer dem Neo-Dadaismus nahestehenden Haltung integriert sie Materialien, die ihre ursprüngliche Funktion verloren haben, in die Kunst: gefundenes Holz, bereits verwendetes Porzellan, Keramik und andere ausrangierte Elemente. Anstatt zu verschwinden, erhalten diese Materialien eine neue Bedeutung. Diese Denkweise reicht über die freie Bildhauerei hinaus bis in die angewandte Gestaltung. Im gemeinsamen Projekt Vezva mit Vivien Botz wird der Holz-Glas-Kompositansatz auch bei der Entwicklung von Möbeln, Raumteilern und innenarchitektonischen Elementen eingesetzt. All diese Anwendungsbereiche verbindet derselbe Grundgedanke: die Möglichkeiten der Materialien zu erkennen, die Natur zu respektieren und die Kunst der Erneuerung zu verwirklichen.

„Ich lebe auf einer imaginären Insel und erschaffe aus den Materialien um mich herum neue Werke. Ich verwende sie wieder – es gibt kein Vergehen, nur Wiedergeburt. Ein ewiger Kreislauf.“ — Anita Darabos

Künstlerische und technische Meilensteine

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Natürliche Inspiration — Bionik

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Natürliche Strukturen, insbesondere die Materialverwendung und Bauprinzipien der Köcherfliegenlarve, bilden eine wichtige Inspirationsquelle für den Holz-Glas-Kompositansatz.

2016

Künstlerische Doktorarbeit

DLA-Abschluss an der Breuer-Marcell-Doktorandenschule der Universität Pécs. Ihre Dissertation „Pflanzliche Architektur – Glas in der Architektur, Architekturglas“ untersucht die Beziehung zwischen Natur, Architektur und Glas.

2020

Die Kunst des Recyclings

Ein vom Ungarischen Nationalen Kulturfonds gefördertes Kunstprojekt zur kreativen Wiederverwendung von Glas, Porzellan, Keramik und Holz.

2022

Habilitation

Ein weiterer bedeutender wissenschaftlicher und künstlerischer Meilenstein an der Universität Pécs.

Vezva — Neue Anwendungsbereiche des künstlerischen Ansatzes

Ein gemeinsames Projekt von Anita Darabos und Vivien Botz, das den Holz-Glas-Kompositansatz auf Möbel und Innenarchitektur überträgt.